DAS WESEN DES WINKENS • Wir alle winken. Wir winken affektiv, reaktiv, gewohnheitsmäßig, ritualisiert. Wir winken zur Unterstreichung einer verbalen Botschaft, um sie zu akzentuieren oder konterkarieren. Winken kann gestischer Ersatz für das gesprochene Wort sein, über die Versprachlichung hinausgehen, fließende Übergänge der Bedeutung schaffen. Es kann von Augenkontakt und anderen Körperbewegungen begleitet werden.
Was aber ist eigentlich das Wesen des Winkens? Was liegt der Geste des Winkens zugrunde, was beschreibt sie, wovon erzählt sie? Was haben ein wortloser Gruß, heftiges, kindliches Hin-und-her-Winken, flüchtiges Zuwinken aus der Ferne, das lange Winken zum Abschied an einem Kreuzungspunkt des Auseinandergehens (einem Kindergarten / einem Bahnhof) oder nach einem Zoom-Call, das verhalten-elegante royale Winken aus der vorbeifahrenden goldenen Karosse und das huldvoll-verlangsamte Winken mit dem päpstlichen Handrücken gemeinsam, was verbindet sie? Und worin bestehen die stillen Qualitäten des Winkens, die sich der Sprache entziehen, über sie hinaus Wirkung entfalten?
Winken | Leseprobe
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