Eine Frau, die schreibt, was sie will
Wie ich schreiben lernte
Es war der Chefredakteur der Wochenausgabe des Tagblattes, J. U. (Julius UPRIMNY, 1877–1935, Anm. d. Hg.), der mich überredete, zu schreiben.
»Es handelt sich«, sagte er, »eigentlich immer nur um den ersten Satz, alles andre ergibt sich dann schon von selbst.«
Wer je zu schreiben versucht hat, weiß, wie richtig diese Bemerkung ist. Man hat Papier, einen Bleistift, einen Radiergummi vor sich und Gedanken, um Bände zu füllen, im Gehirn – alles ist da –, nur der erste Satz fehlt. Er fehlt einfach, es ist unheimlich, man kann machen, was man will – er fehlt! Man kann doch unmöglich beim zweiten Satz anfangen? Man stelle sich vor, ein Mensch will gehen, und es fehlt ihm der erste Schritt, da kann man doch auch nicht sagen: »Machen Sie einfach gleich den zweiten!«
Das heißt, sagen kann man viel, aber schreiben? Man erzählt zum Beispiel eine Geschichte, alles biegt sich vor Lachen. »Großartig! Das müssen Sie schreiben!«
Man setzt sich also wohlgemut hin und schreibt alles genau und ordentlich auf; wie sonderbar wird einem aber zumute, wenn der Lesende zum Schluß sagt: »Sie erzählen doch so gut, warum schreiben Sie eigentlich nicht einmal etwas Lustiges?«
Das zweite Hindernis beim Schreiben ist das Thema.
Ganz unter uns gesagt, es haben doch alle schon alles einmal geschrieben, den Ehrgeiz, etwas wirklich Neues zu schreiben, muß man aufgeben, man muß sich damit begnügen, listig die ältesten Dinge appetitanregend neu zu servieren.
Meine erste Aufgabe, die ich von meinem Cheflehrer bekam, war das Thema »Liebe und Ehe«.
Also bitte, etwas Ausgeschriebeneres kann es doch wirklich nicht geben, aber ich zog mich schlau aus der Falle: …