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»Sie starben allesamt von eigener Hand«

2. Januar 2015Edition Atelier

Über Andrea Drumbls Debütroman Die Vogelfreiheit unter einer zweiten Sonne, weil die erste scheint zu schön

Vier Menschen entscheiden sich innerhalb weniger Tage und unabhängig voneinander für den Freitod. Was sie dazu veranlasst hat und welche Auswirkungen dies auf ihre Mitmenschen hat, verarbeitet Andrea Drumbl in ihrem Romandebüt Die Vogelfreiheit unter einer zweiten Sonne, weil die erste scheint zu schön.

Der Titel lässt etwas Heiteres erwarten, doch bei näherer Betrachtung bemerkt man die düstere Aura, die dieses Buch umgibt. Mit schaurig-schönen Formulierungen werden die Gedanken der Figuren und deren Umwelt dargestellt, die den Lesenden »den Wind in den Bäumen mit seinen Totenklagen« beinahe wispern hören lassen. So wird man als LeserIn schnell in die Depressionen und die Einsamkeit der ProtagonistInnen hineinversetzt.
Gleich zu Beginn versinkt zum Beispiel Günter hoch oben auf dem Fensterbrett im vierten Stock in der Finsternis der Nacht in seinem Liebeskummer. Dort denkt er über seine Janka nach, bevor er seine letzten Pulsschläge spürt. Wie sehr sein Selbstmord wiederum seine Angebetete aus dem Gleichgewicht bringt, hätte Günter wohl nicht erwartet.
Auch Susanas tragisches Schicksal, eine Vergewaltigung, lässt den Weg zu ihrer Entscheidung, der mit schmerzendem Schlaf und aufgebrauchter Tränenflüssigkeit gepflastert ist, mit einem mulmigen Gefühl im Magen verfolgen und schockierenderweise ein wenig nachvollziehen.
Andrea Drumbl wagt sich in ihrem beeindruckenden Romandebüt an ein heikles Thema, das realitätsnahe Geschehnisse behandelt, die manchmal gerne unter den Teppich gekehrt werden. Aus diesem Grund gibt es auch einige Schluckmomente in den verschiedenen Geschichten, die manchmal vielleicht ungewollte Gedankengänge hervorrufen. Die lyrische Schreibweise umrahmt das Ganze jedoch sehr gefühlvoll und macht es zu einem außergewöhnlichem Stück Literatur.

Bettina Buchbauer zog nach dem Schulabschluss nach London, arbeitete an einem HIV-Projekt in Mauritius und schrieb für die Zeitschrift Volume. Sie studierte Vergleichende Literaturwissenschaft und Betriebswirtschaft in Wien und war Mitarbeiterin des Filmarchivs Austria und der Universität Wien.

Andrea Drumbl
Die Vogelfreiheit unter einer zweiten Sonne,
weil die erste scheint zu schön

Roman
112 Seiten | 16,95 Euro
E-Book: 9,99 Euro

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Kategorie: Stories
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