• Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

Edition Atelier

  • Bücher
  • AutorInnen
  • Verlag
    • Über uns
    • Kataloge
    • Kontakt
  • Termine
  • Blog
  • Suche
  • Bücher
  • AutorInnen
  • Verlag
    • Über uns
    • Kataloge
    • Kontakt
  • Termine
  • Blog
  • Suche

Weiterführende Links

« Alle Beiträge

Lukas Pellmann über »Zwei Tage im Sommer«

10. September 2025Edition Atelier

Edition Atelier: Wie entstand die Idee, sich einen in der Zukunft liegenden Krieg zwischen Ungarn und Österreich als Rahmen für seinen Roman auszudenken?

Lukas Pellmann: Ich habe mit dem Schreiben des Textes im Jahr des Beginns des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine begonnen. Wie so viele andere auch, war ich damals erschüttert und ernüchtert darüber, dass so etwas im Jahr 2022 in Europa möglich ist. Und natürlich hatte ich (und habe ich nach wie vor) auch Angst. In so einem Moment fange ich dann einfach zu schreiben an, das hilft mir ungemein, weil ich mich dann auf rationale Art und Weise mit diesem angsteinflößenden Auslöser beschäftigen muss. Ein Autorenkollege hat mal zu mir gesagt, dass Schreiben für ihn immer auch ein bisschen Therapie ist und das trifft es in diesem Fall wohl ganz gut.

 

Aber warum hast du dich für einen fiktiven Krieg als Setting entschieden? Du hättest ja auch die ausreichend dramatische Gegenwart als Rahmenhandlung hernehmen können?

Wir tun uns oft (zu) leicht mit der Beurteilung globaler Entwicklungen oder Krisen, weil vieles davon weit weg von uns passiert oder zumindest weit weg scheint. Vieles davon betrifft uns in Mitteleuropa aber natürlich sehr wohl, auch wenn man die Auswirkungen nur indirekt spürt, zum Beispiel durch höhere Preise oder steigende Flüchtlingszahlen. Mich hat beim Schreiben interessiert, wie es einem geht, wenn sich das, was zum Beispiel nach wie vor in der Ukraine passiert, vor der eigenen Haustür ereignet. Dann kann man nämlich nicht mehr sagen »Ach, das ist irgendwo anders auf der Welt, die sollen sich mal nicht so anstellen und mich geht das ja eigentlich sowieso nichts an«.

 

Ungarn und Österreich sind im Roman die kriegführenden Parteien. Was gab dafür den Ausschlag?

Österreich und Ungarn teilen eine sehr lange Geschichte miteinander, zu der auch immer wieder Konflikte gehört haben. Was für mein Buchsetting besonders gut geeignet war, war der Umstand, dass mit dem Burgenland ein österreichisches Bundesland bis 1921 Teil Ungarns war. Erst durch die Friedensverträge nach dem 1. Weltkrieg kam das Burgenland an Österreich. Es hat damals starken, auch gewalttätigen ungarischen Widerstand gegen diese Abtretung an Österreich gegeben. 1921 haben ungarische Freischärler in Oberwart das – auch in meinem Roman aufgegriffene – Leithabanat ausgerufen, im Jahr 2010 sind am selben Ort ungarische Neonazis aufmarschiert, um dieses, nur wenige Wochen bestehenden Leithabanats zu gedenken. Es gibt da also diesen realen ungarischen Gebietsverlust in der Vergangenheit, der sich gut als Ausgangspunkt für die Geschehnisse in meinem Roman eignet.

 

Es ist aber wohl nicht zu befürchten, dass Ungarn eines Tages wirklich Österreich angreift …

Aktuell erscheint das natürlich unvorstellbar und mir liegt viel daran, dass das auch in der Zukunft unvorstellbar bleibt. Aber wenn man sich anschaut, wie Russland im Fall der Ukraine argumentiert und wie Ungarns Premierminister Viktor Orbán seit Jahren nationalistische Politik betreibt und symbolisch und rhetorisch an die Tradition Großungarns anzuknüpfen versucht, gibt es da schon Parallelen. Vor drei Jahren – da lief der russische Überfall auf die Ukraine bereits seit einem halben Jahr – zeigte sich Orbán im Rahmen eines Fußballspiels mit einem Schal, auf dem die Grenzen Großungarns abgebildet waren. Und Großungarn bedeutet immer auch: inklusive Burgenland. Sowas passiert jemandem wie Viktor Orbán nicht zufällig, das sind ganz bewusst gesetzte Handlungen. Von der österreichischen Öffentlichkeit wurde das hingegen gar nicht oder nur belustigend als typisch Orbán’sche Provokation aufgenommen.

 

Im Roman wird auch immer wieder thematisiert, dass am Beginn einer zum Krieg führenden Entwicklung immer eine aggressive Sprache steht. Ist Dir dieser Zusammenhang als Autor ein besonderes Anliegen?

Die Sprache ist für mich – egal ob geschrieben oder gesprochen – das wichtigste Werkzeug. Man kann über Sprache Verbindung zu anderen Menschen herstellen, man kann mit Sprache aber auch Menschen auseinanderbringen, Verbindungen kappen und Schweigen erzeugen. Das ist, was wir heutzutage auf der politischen und medialen Ebene sehr oft erleben. Mit Hilfe von Worten werden Menschen gegeneinander aufgebracht und negative Emotionen geweckt. Leider funktioniert das ziemlich gut. Eine solche sprachliche Verrohung steht oft am Beginn einer Spirale, die irgendwann in Gewalt münden kann. Egal ob im erbitterten Streit mit dem Nachbarn oder zwischen zwei Staaten. Aber, und das ist mir besonders wichtig, diese Entwicklung kann durch Wachsamkeit und Courage unterbrochen werden. Wenn wir nicht wollen, dass in unserer Gesellschaft ein immer aggressiveres Klima herrscht, welches am Ende ja nur wieder den extremen Stimmungsmacher:innen nützt, sollten wir alle auf unsere Sprache achten. Und wir sollten auf der anderen Seite vor lauter verbalen Kraftmeiereien von Politiker:innen und Scharfmacher:innen nicht in eine Sprachlosigkeit verfallen, die von diesen als Zustimmung missverstanden werden kann.

 

Einer der drei Handlungsstränge spielt in Hamburg, warum braucht es diese Ebene im Roman?

Die Urlauberfamilie, die im Roman in die Kriegswirren an der österreichisch-ungarischen Grenze verwickelt wird, stammt aus Deutschland. Die Tochter lebt später als Erwachsene in Hamburg. Dem Rückblick auf die Geschehnisse, den sie in der in Hamburg spielenden Handlung unternimmt, tut nicht nur die zeitliche, sondern auch diese geografische Distanz zum Kriegsgeschehen im Burgenland ganz gut. Außerdem wird durch diesen in Hamburg angesiedelten Handlungsstrang immer wieder auch ein Schlaglicht auf die Rolle Deutschlands während der kriegerischen Auseinandersetzungen geworfen, sei es wenn es um die Aufnahme österreichischer Flüchtlinge, wirtschaftliche Interessen Deutschlands in Ungarn oder die sehr schaumgebremste politische Reaktion Deutschlands auf den ungarischen Angriffskrieg geht. Einen solchen Konflikt kann man ja nie isoliert von der Außenwelt betrachten und gerade in Europa spielt Deutschland einfach eine tragende Rolle – genauso wie im Krieg, der von Russland gegen die Ukraine entfesselt wurde.

 

Die reale Welt wirkt aktuell schon düster genug, warum hast du dich trotzdem für ein dystopisches Szenario in deinem Roman entschieden? Befürchtest du nicht, dass Leser:innen aufgrund all der negativen Schlagzeilen in den Medien aktuell lieber zu einem Feelgood-Roman greifen?

Die unmittelbare Realität in Europa war bis zum Ende der Jugoslawienkriege im Jahr 2001 auch nicht gerade friedlich und trotzdem haben Leser:innen in der Literatur durchaus zu ernsten Themen gegriffen. Darüber hinaus bin ich überzeugt davon, dass die Auseinandersetzung mit den realen Gefahren unserer Welt nicht nur unsere Resilienz stärkt, sondern auch unser Bewusstsein dafür schärft, dass wir unseren gesellschaftlichen Frieden und unseren Wohlstand schätzen und verteidigen sollten. Die Figur des Balász Varga ist dafür ein gutes Beispiel: Er ist jemand, der sich nie für Politik interessiert hat. Erst durch den Krieg merkt er (zu spät), dass seine gleichgültige Haltung gegenüber der Politik ein Fehler war. Als er das realisiert, steckt er nicht den Kopf in den Sand, sondern er kämpft für das, was ihm als richtig erscheint. Die Charaktere in meinem Roman ergeben sich nicht willenlos ihrem Schicksal, sondern sie lehnen sich trotz aller Gefahren auf und kämpfen, wachsen dabei über sich hinaus. Die daraus entstehende Kraft kann Leser:innen viel Positives mit auf den Weg geben.

 

» mehr über Lukas Pellmann

» mehr über »Zwei Tage im Sommer«

Roman, Edition Atelier
304 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-99065-138-4

Weitere Beiträge

3 Fragen an Stefan Müller

Der Historiker und Journalist Stefan Müller hat sich auf der Suche nach den spektakulärsten Fehlentscheidungen der Geschichte durch die Archive gewühlt. Seine Zusammenstellung umfasst …

Buchtrailer: Nathalie Rouanet »Durch Nebel und Nacht«

Angelehnt an die Erlebnisse ihres Großvaters erzählt Nathalie Rouanet in ihrem Roman »Durch Nebel und Nacht« die atemberaubende Geschichte einer Familie, die während der …

Barbara Kadletz: Laut mit Luise

Barbara Kadletz liest im Wiener Prater ihre Kurzgeschichte »Laut mit Luise«. Ausgehend von dieser Geschichte hat sie den Text für ihre von Jorghi Poll …

»Schlurfkatzen« ist Kandidat für die Hotlist 2026

Freude im Verlag: Unsere Graphic Novel »Schlurfkatzen. Als der Jazz die Nazis besiegte« wurde als eines von 30 Kandidatenbüchern für die Hotlist 2026 ausgewählt …
Kategorie: Interviews, Sprechen über Literatur
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Seitenleiste

Weitere Beiträge

3 Fragen an Stefan Müller

Der Historiker und Journalist Stefan Müller hat sich auf der Suche nach den spektakulärsten Fehlentscheidungen der Geschichte durch die Archive gewühlt. Seine Zusammenstellung umfasst …

Buchtrailer: Nathalie Rouanet »Durch Nebel und Nacht«

Angelehnt an die Erlebnisse ihres Großvaters erzählt Nathalie Rouanet in ihrem Roman »Durch Nebel und Nacht« die atemberaubende Geschichte einer Familie, die während der …

Barbara Kadletz: Laut mit Luise

Barbara Kadletz liest im Wiener Prater ihre Kurzgeschichte »Laut mit Luise«. Ausgehend von dieser Geschichte hat sie den Text für ihre von Jorghi Poll …

»Schlurfkatzen« ist Kandidat für die Hotlist 2026

Freude im Verlag: Unsere Graphic Novel »Schlurfkatzen. Als der Jazz die Nazis besiegte« wurde als eines von 30 Kandidatenbüchern für die Hotlist 2026 ausgewählt …
↑
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz
↑
Wenn die Ergebnisse der automatischen Vervollständigung verfügbar sind, benutze die Pfeile nach oben und unten, um sie zu überprüfen, und die Eingabetaste, um die gewünschte Seite aufzurufen. Nutzer von Touch-Geräten können durch Berührung oder mit Wischgesten suchen.

Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie über Neuerscheinungen und aktuelle Veranstaltungen. Alle Informationen zu Versand und Abbestellung erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.