Im Vorfeld der Wien-Premiere seines neuen Buches »Empowerment Kultur. Was Kultur braucht, um in Zeiten von Shitstorms, Krisen und Skandalen zu bestehen« hat sich Fabian Burstein Gedanken über die aktuelle Lage der deutschsprachigen Kulturszene gemacht. Am 19. September stellt er sein Buch im Gespräch mit FM4-Redakteur Christian Pausch in der Wiener Hauptbücherei vor (»mehr Infos).
Anhand unzähliger Debatten und Wahlauseinandersetzungen der letzten Monate hat sich der Eindruck verfestigt, dass sich Kultur aus dem Kanon jener politischen Themen verabschiedet hat, denen man große gesellschaftliche Lösungen zutraut.
Politisch Verantwortliche, die uns den Weg aus dem Kulturkampf-Dilemma, zum Beispiel in einer TV-Debatte, anhand profunder kulturpolitischer Strategien aufzeigen? Fehlanzeige!
Kulturinstitutionen, die sich wirklich in die Niederungen gesellschaftlicher Abgründe begeben, um sich von dort zu zentralen Diskursplattformen aufzuschwingen? Mangelware!
Stattdessen Postenschacher-Skandale, Machtkämpfe und nationalistische Leitkultur-Fantasien am rechten Rand.
Mit dem Schlachtruf »Empowerment Kultur« soll sich die Erkenntnis verstetigen, dass so ein Bedeutungsverlust kein unabwendbares Schicksal ist, sondern schlicht und ergreifend eine Fehlentwicklung, die wir gemeinsam bekämpfen können. Dafür braucht es eine konstruktive Form von Macht – eine echte »Kultur-Macht« – die uns neue Handlungsspielräume von der Politik über die Institutionen bis hin zum Publikum eröffnet. Dabei dürfen wir uns nicht in die Tasche lügen: Diese Macht wird einem nicht ohne weiteres überlassen – wir müssen sie erkennen, erstreiten und erschließen. Indem wir das Thema Macht nicht mehr länger wegdrücken, machen wir einen ersten Schritt in die richtige Richtung.
Fabian Burstein, 11.9.2024