• Zum Inhalt springen
  • Zur Seitenspalte springen

Edition Atelier

  • Bücher
  • AutorInnen
  • Verlag
    • Über uns
    • Kataloge
    • Kontakt
  • Termine
  • Blog
  • Suche
  • Bücher
  • AutorInnen
  • Verlag
    • Über uns
    • Kataloge
    • Kontakt
  • Termine
  • Blog
  • Suche

Weiterführende Links

« Alle Beiträge
Foto: Thomas Ringhofer

Der Heilige Hobo

4. Mai 2015Edition Atelier

Er aber zündete sein Schloss an und sprach zu den Jüngern: »Die, die alles haben, wollen nichts. Denn die, die nichts haben, haben alles.« (Aus: Der Heilige Hobo, Kapitel 219, Vers 12)

Lass uns zur Abwechslung heute keinen Roman, sondern ein Epos verfassen. Oder etwas Bibelartiges. Eine religionsstiftende, heilige Schrift. Na gut. Irgendeine Idee? Ein Hobo. Sehr gut. Nein, ein Vertreter. Nein, ein Hobo, der früher Vertreter war. Jaaaa, das ist gut. Was ist geschehen? Es hat ihn aus der Bahn geworfen. Was hat der Vertreter verkauft? Staubsauger natürlich. Irgendwann hatte er seinen sinnlosen Beruf über die Maßen satt, der nur zum Geldverdienen da ist, überhaupt diese ganze dumme Geschäftemacherei und die ganze Gesellschaft obendrein, Steuern zahlen, Scheiße kaufen, die niemand braucht und die niemanden interessiert, alles für nichts und wieder nichts. Deshalb entschließt er sich eines Tages, alles über Bord zu werfen und ein Landstreicher zu werden. Er fährt mit seinem Auto an das Ufer eines Sees, öffnet den Kofferraum und wirft seine ganzen Staubsauger ins Wasser. Sogleich sinken sie bis auf den Grund des Gewässers. Nein, noch besser natürlich: Er versenkt auch sein Auto darin, lässt seine Brieftasche im Auto, damit alle glauben, er sei ersoffen. Aber niemand findet eine Leiche? Die wurde eben von Fischen aufgefressen. Vielleicht spielt die ganze Story ja auch am Meer, wo es Haie gibt. Aber das Auto und das Portemonnaie finden sie. Daher wird er zunächst für vermisst, später für tot erklärt. Aber er lebt und beginnt, sein Leben auf der Landstraße zu führen. Ja. Großartige Story. Was ist nun seine Mission? Er möchte, dass alle es ihm nachmachen und so werden wie er. Eine Welt voller Hobos. Keine einzige Person mehr auf diesem idiotischen Planeten, die noch einen Job hat. Er beginnt zu predigen: absolute Freiheit, zurück in die Steinzeit, in der alle glücklicher waren et cetera. Und nach und nach bekommt er eine Anhängerschaft. Und am Ende jagen sie sich alle selber in die Luft. Nein, warte, das ist eine wahre Geschichte. Was? Nein, sie jagen sich nicht selbst in die Luft, denn das Leben ist ja jetzt großartig, da draußen in der freien Natur, ohne Zuhause, ohne Geld. Die Schlauen gehen nach Spanien und Marokko, denn dort brauchen sie im Winter nicht zu frieren, und es gibt Orangen, Mandarinen und Fisch. Kein Problem. Gut, also er hat nun zwanzig Jünger und Jüngerinnen, und sie errichten irgendwo eine Zeltstadt. Zwanzig ist nicht viel. Am Anfang vermehrt sich die Anhängerschaft natürlich nur langsam, denn die Menschen wollen ihr gewohntes, sicheres Scheißleben nicht so leicht aufgeben. Ja, es dauert wohl zweihundert, dreihundert, vierhundert Jahre, bis es so richtig losgeht. So wie auch beim Christentum. Ja, das wird ein dickes Buch. Zweitausend Seiten. Wie eben auch die Bibel. Nein, noch viel dicker wird das werden. Zehn Bände zu je zweitausend Seiten, so. Natürlich viel besser als die alte Bibel. Die neue Bibel über die neue Religion. Hoboismus. Oder Hobotum. Und das Buch nennt sich Der Heilige Hobo. Hohoho. Bo. Exzellent. Die Geschichte einer Religion von ihrer Erfindung bis zum Zeitpunkt, an dem sie zu einer weltumspannenden Bewegung wird. Und der Weihnachtsmann ist ihr Gott. Aus. Im Buch gibt es klarerweise sehr viele kleine Geschichten, Zwischenhandlungen, Seitenstränge. Beispielsweise die Geschichte, wie ein junger Hobo einen reichen, alten Mann dazu überredet, sein ganzes Geld anzuzünden und zu ihnen überzutreten. Und so Zeug eben. Das ist interessant, aber darüber müssen wir uns jetzt nicht unterhalten. Wie endet es? In komplettem Chaos, so wie die Johannes-Offenbarung? Nein, das Gegenteil: komplette Zufriedenheit, Glückseligkeit. Massenorgasmen. Wir wissen zwar: In Zeiten totalen Friedens ist es nur ein kleiner Schritt zurück in die Dunkelheit. Aber das ist dann eine andere Geschichte. Massenorgasmus klingt viel besser. Vielleicht erzeugt ja der Massenorgasmus ein riesiges Erdbeben. Das wäre dann unsere Version der Apokalypse. Die ganze Welt explodiert, weil acht Milliarden Menschen gleichzeitig einen Orgasmus haben. Was für ein netter Schluss. Das muss ein Bestseller werden. Der beste Bestseller aller Zeiten. Hobo that.

Weitere Beiträge

3 Fragen an Stefan Müller

Der Historiker und Journalist Stefan Müller hat sich auf der Suche nach den spektakulärsten Fehlentscheidungen der Geschichte durch die Archive gewühlt. Seine Zusammenstellung umfasst …

Buchtrailer: Nathalie Rouanet »Durch Nebel und Nacht«

Angelehnt an die Erlebnisse ihres Großvaters erzählt Nathalie Rouanet in ihrem Roman »Durch Nebel und Nacht« die atemberaubende Geschichte einer Familie, die während der …

Barbara Kadletz: Laut mit Luise

Barbara Kadletz liest im Wiener Prater ihre Kurzgeschichte »Laut mit Luise«. Ausgehend von dieser Geschichte hat sie den Text für ihre von Jorghi Poll …

»Schlurfkatzen« ist Kandidat für die Hotlist 2026

Freude im Verlag: Unsere Graphic Novel »Schlurfkatzen. Als der Jazz die Nazis besiegte« wurde als eines von 30 Kandidatenbüchern für die Hotlist 2026 ausgewählt …
Kategorie: Bücher, die Thomas Antonic & Janne Ratia niemals schreiben werden
  • teilen 
  • teilen 
  • E-Mail 

Seitenleiste

Weitere Beiträge

3 Fragen an Stefan Müller

Der Historiker und Journalist Stefan Müller hat sich auf der Suche nach den spektakulärsten Fehlentscheidungen der Geschichte durch die Archive gewühlt. Seine Zusammenstellung umfasst …

Buchtrailer: Nathalie Rouanet »Durch Nebel und Nacht«

Angelehnt an die Erlebnisse ihres Großvaters erzählt Nathalie Rouanet in ihrem Roman »Durch Nebel und Nacht« die atemberaubende Geschichte einer Familie, die während der …

Barbara Kadletz: Laut mit Luise

Barbara Kadletz liest im Wiener Prater ihre Kurzgeschichte »Laut mit Luise«. Ausgehend von dieser Geschichte hat sie den Text für ihre von Jorghi Poll …

»Schlurfkatzen« ist Kandidat für die Hotlist 2026

Freude im Verlag: Unsere Graphic Novel »Schlurfkatzen. Als der Jazz die Nazis besiegte« wurde als eines von 30 Kandidatenbüchern für die Hotlist 2026 ausgewählt …
↑
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz
↑
Wenn die Ergebnisse der automatischen Vervollständigung verfügbar sind, benutze die Pfeile nach oben und unten, um sie zu überprüfen, und die Eingabetaste, um die gewünschte Seite aufzurufen. Nutzer von Touch-Geräten können durch Berührung oder mit Wischgesten suchen.

Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie über Neuerscheinungen und aktuelle Veranstaltungen. Alle Informationen zu Versand und Abbestellung erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.