Joseph Schöffel (1832 Přibram / Böhmen–1910 Mödling / Niederösterreich) war ein österreichischer Journalist, Politiker und Umweltschützer. Am 7. Februar jährt sich sein Todestag zum 115. Mal. Zu seinen vielen Errungenschaften ist im vergangenen Jahr noch Romanfigur dazugekommen. Das hat er nicht nur seinem beherzten Engagement für den Wienerwald zu verdanken, sondern vor allem Barbara Kadletz, die ihn in ihrem Roman Schattenkühle ein letztes großes Abenteuer erleben lässt.
»Der historische Schöffel geistert schon lange durch mein Leben, und als Buchhändlerin habe ich mich über die Jahre öfters gefragt, warum niemand etwas aus diesem Stoff macht, gerade wo lokal verortete historische Romane seit einiger Zeit boomen.« Doch einen klassischen historischen Roman wollte Barbara Kadletz nicht schreiben, und so hat sie ihre Figur Joseph Schöffel ins 21. Jahrhundert geschickt, wo sie ihn auf einen jungen Namensvetter treffen lässt. Dieser Josef Schöffel ähnelt dem legendären Wienerwald-Retter von einst allerdings so gar nicht …
Joseph Schöffel senior, im Roman ein alter, einsamer, verarmter Kleinstadt-Bewohner, ist so etwas wie der erste Wiener Umweltschützer. In den frühen 1870er-Jahren, als der Staat einen Teil des Wienerwaldes verkaufen und somit zur Abholzung freigeben wollte, hat er in einer groß angelegten Medienkampagne auf die Bedeutung des Waldes für das Klima hingewiesen. Im neuen Wiener Tagblatt schrieb er etwa:
»Daß Wälder einen bedeutenden Einfluß auf das Klima ausüben, ist eine unbestrittene Thatsache. Ausgedehnte Wälder bringen durch die Lebensthätigkeit ihrer Blätter eine große Verdunstung wässriger Flüssigkeit hervor, schwängern die Atmosphäre mit Wasserdünsten und tragen daher nicht nur zur Vermehrung der Niederschläge hauptsächlich bei, sondern mildern auch auf dreifache Art, nämlich durch Schattenkühle, Verdunstung und Strahlung, die Hitze des Sommers, sowie sie im Winter durch Nebelbildung intensive Fröste verhindern. Wir leiden schon jetzt unter einem wahrhaft exzessiven Klima. Nehmt uns noch unsere Wälder, die uns noch einigen Schutz gewähren, und wir werden verdammt sein, wie Dante im ›Fegefeuer‹ singt: ›a sofferir tormenti caldi e geli‹ – die ›Marter der Hitze und Kälte zu leiden‹.«
Er war, wie wir heute wissen, seiner Zeit voraus, und er ging als Retter des Wienerwaldes in die Geschichte ein. Wenige Jahre später wurde er der fortschrittliche Bürgermeister der Wienerwald-Gemeinde Mödling, wo er sich unter anderem für die Gründung eines Waisenhauses einsetzte. Heute erinnern mehrere Denkmäler und die Wiener Schöffelgasse an Joseph Schöffel und seine ruhmreichen Taten.
Und der fiktive Josef Schöffel? Als Handlanger des aktuellen Bürgermeisters, der nur seine eigenen Interessen im Sinn hat, soll er den Bau eines modernen und »nachhaltigen« Bürogebäudes beaufsichtigen – mitten im Wienerwald. Dabei muss er sich nicht nur mit dem Bürgermeister rumschlagen, sondern mit einem Protestcamp an der Baustelle und seiner gemeinen Oma. Als dann auch noch dieser alte Tattergreis, der wie aus dem vorvorigen Jahrhundert entsprungen scheint, auftaucht, ist das Chaos perfekt …
Die ganze Geschichte »Schöffel vs. Schöffel« erzählt euch Barbara Kadletz in ihrem Roman Schattenkühle, den zu lesen nicht nur wir raten, sondern auch die Kritiker:innen: »Es ist wirklich eine Freude diesen Roman zu lesen, der so vielschichtig vom Kampf für eine unberührte Natur erzählt und auf so vielfältige Art zu unterhalten weiß. Die Autorin hat sich eingearbeitet in Schöffels historische Aufzeichnungen und fördert interessante Fakten zum ersten Wiener Umweltschützer zu Tage, aber sie hat sich auch eingearbeitet in das späte 19. Jahrhundert.« (Christian Pausch, FM4)
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