Der Historiker und Journalist Stefan Müller hat sich auf der Suche nach den spektakulärsten Fehlentscheidungen der Geschichte durch die Archive gewühlt. Seine Zusammenstellung umfasst machthungrige Despoten, liebestolle Herrscher, verblendete Entscheidungsträger, fatale Fehleinschätzungen und unnötige Missgeschicke. Ein amüsanter wie lehrreicher Reigen durch die Weltgeschichte.
In deinem neuen Buch thematisierst du folgenreiche historische Fehlentscheidungen, die zumeist mächtige Menschen gefällt haben. Was hat dich dazu veranlasst, auf Spurensuche zu gehen und ein Buch darüber zu schreiben?
Das war eine Kombination aus mehreren Dingen. Auf die Torheit von Regierenden hat mich ein Österreicher gebracht, der in den Dreißigerjahren dem spanischen Diktator Franco ein Patent zur Herstellung von Benzin verkauft hat. Großartig! Zugleich haben sich in meiner Wahrnehmung die Dummheiten von Privatpersonen gehäuft. In der Corona-Zeit bezüglich Impfungen oder im Urteil über andere polarisierte Gesellschaftsthemen zum Beispiel. Wir leben ja in selten dummen Zeiten. Also warum nicht ein Sachbuch dazu schreiben? Während in Stefan Zweigs »Sternstunden der Menschheit« das Positive glänzt, liefern meine historischen Miniaturen eine bunte unterhaltsame Fehlerparade.
Ist es eine Herausforderung für dich, zwischen historischer Genauigkeit und pointierter Erzählung die richtige Balance zu finden?
Ja natürlich. Einerseits soll alles pointiert sein, knackig und snackable. Das hat auch mit dem neuen Medienkonsum zu tun. Die Aufmerksamkeitsspanne sinkt, alles muss verkaufen. Die Medienlandschaft ist von einer Korallenbleiche befallen, und auf der anderen Seite kippen Userinnen und User immer leichter auf Stumpfsinn rein. Andererseits soll alles tiefsinnig sein, faktisch korrekt, und – sobald Geschichte ins Spiel kommt – natürlich wahr. Aber diesen Beweis trete ich gerne an. Es ist auch ein Wagnis, weil ich den Kopf hinhalte. Aber sonst wär es auch fad. Die Geschichte steckt voller pointierter Geschichten, man muss sie nur heben.
Historisches Verständnis oder eine gesellschaftspolitische Botschaft: Was möchtest du den Leser:innen deines neuen Buches »Sternstunden der Dummheit« mitgeben?
Idealerweise beides. Die Kapitel abzumischen war nicht einfach und ich habe lange getüftelt. Zusätzlich zu den Torheiten der Regierenden kommen auch andere Dummheiten vor, um das Phänomen weiter einzukreisen und zum Denken anzuregen. Diese Dummheiten betreffen uns alle, nicht nur die da oben. Die Klammer besteht darin, dass Dummheit ein meist selbstverschuldetes Verhalten ist. Gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, aber man kann was dagegen tun, in dem man etwa dem langsamen Denken eine Chance gibt und nicht immer der schnellen Emotion nachläuft. Da ist jede und jeder täglich gefordert. Es ist nicht so, dass der Mensch nichts aus der Geschichte lernt, wie es gerne heißt. Es ist so, dass er immer wieder ähnliche Fehler macht und sich dessen bewusster sein sollte. Also am besten gleich heute damit anfangen.
»zum Autor Stefan Müller
»zum Buch Sternstunden der Dummheit Die besten Fehler der Geschichte
Mit zahlreichen Abbildungen
184 Seiten, 26 Euro
Edition Atelier, 2026
erscheint am 5.10.2026